Zuwachs für unsere Radflotte!

Tadaaaa: Unser neues Bike ist da!
Das Schreibbike ergänzt unsere Flotte seit heute und startet direkt los zum ersten Projekt.

Das Rad hat alles dabei um Geschichten einsammeln zu können: Eine Schreibmaschine, ein Aufnahmegerät, Papier und Stifte. Und an der kleinen Theke rund um die Kiste können die Geschichten direkt geschrieben oder eingesprochen werden!

Das Schreibbike ist für unser Projekt Land in Sicht unterwegs, das dieses Jahr in eine neue Runde geht  – wir werden berichten!

Wer schon mal in den Geschichten vom Land aus dem letzten Jahr stöbern will, kommt hier zum Blog des Projekts.

Fritzi war dabei. Eine Wendewundergeschichte – Hanna Schott, Gerda Raidt

Diesem Buch ist zu wünschen, dass es nicht nur alle zehn Jahre erscheint: Der Kinderroman von Hanna Schott mit den ausdrucksstarken Bildern von Gerda Raidt erzählt eine Familiengeschichte aus der Zeit der Wende in Deutschland, ist also historisch angelegt. Er erschien zuerst 2009, 2019 kam der Film dazu in die Kinos und „Fritzi war dabei“ wurde wieder aktuell.

Die Autorin erzählt konsequent aus kindlicher Perspektive und in einer passenden, naiven Sprache über die entscheidenden Tage im Oktober 1989, als die Mauer zwischen den zwei Deutschlands fiel. Die Viertklässlerin Fritzi erzählt in kurzen Sätzen und mit Leerstellen, die Erwachsene eventuell füllen können: von der Mutter, die Sympathien für die Montagsdemonstranten hat; vom Vater, der „Westsender“ guckt, obwohl man das „nicht darf“; vom kleinen Bruder Hanno, der mit Fritzi und der Mutter montags zur Demonstration an der Nikolaikirche geht; von der Schule, in der Sophies Platz neben Fritzis eines Tages leer bleibt und in der Frau Leisegang mit den Worten „Seid bereit!“ die Klasse begrüßt. Und von der Oma im Westen, von der Fritzi sich eine Barbie wünscht, denn: „Hier kann man ja keine kaufen.“

Gute Leser*innen in der Grundschule werden das illustrierte Taschenbuch gerne selbst lesen, obwohl sie manche Gegebenheiten oder Worte nicht direkt verstehen. Aber auch zum gemeinsamen Lesen oder Vorlesen bietet es sich geradezu an.

Die sorgfältig ausgesuchte Schrift, eine Fibelschrift, erleichtert das Selbstlesen, dazu ist der Text wie in Erstlesebüchern im Flattersatz und mit genügend Zwischenraum zwischen den Zeilen gesetzt. Die Bilder von Gerda Raidt beeindrucken vor allem durch die genaue Zeichnung der unterschiedlichen Menschen, auch in Gruppen oder sogar Massendemonstrationen. Was die Autorin durch Fritzis Sprache schafft, leistet die Illustratorin vor allem durch die Darstellung der Körperhaltung der Beteiligten: Ihre Gefühle lassen sich daran gut ablesen, Empathie entsteht. Ihre Entwicklung wird alleine dadurch zum Beispiel deutlich, wie die Mutter bei einer Auseinandersetzung in der Tür steht oder die ganze Familie gespannt vornübergebeugt der Berichterstattung im Fernsehen folgt. Bilder, die man gerne ansieht, aus denen man viel herauslesen kann.

In einem Nachwort „Ist das wirklich alles wahr?“, in dem nicht nur ein paar Erklärungen zur Geschichte 1989 gegeben werden, wird auch das literarische Lernen gefördert, wenn die Konstruktion der Ich-Erzählerin kindgerecht erklärt wird. Für den Unterricht ist pädagogisches Begleitmaterial zum Download bereitgestellt.

Buchtipp: Ulrike Erb-May, Lese- und Literaturpädagogin (BVL)

 

Verlag: Klett Kinderbuch 2019
Foto: © Klett Kinderbuch

Die bookbikes sind gestartet!

Gestern durften die bookbikes endlich wieder an die frische Luft!
Bestückt mit neuen Büchern und frischer Energie sind die Räder nun in Köln, Bielefeld und Krefeld unterwegs.

Diesmal neu mit dabei: Ein Baumpult, eine Klemmbrett aus Holz als Malunterlage, eine Hängematte und natürlich ganz viele wunderbare aktuelle Bilderbücher!!

Außerdem haben die bookbikes eine neue Kistenbeschriftung und ein druckfrisches Handbuch in neuem Format mit dabei.

Danke an @herrconrads für die Utensilien aus Holz, an die vielen Verlage für die Unterstützung, an @pinamirall.illu für die Gestaltung des Handbuchs und an unsere zwei fleißigen Praktikant:innen für die Unterstützung!

 

Junge ohne Namen – Steve Tasane

Die Aufmachung des Buchs „Junge ohne Namen” von Steve Tasane ist anders als gewohnt, denn die erste Seite beginnt direkt auf dem Buchcover. Damit steigt man direkt in die Geschichte des 10-jährigen Jungen ein.

Es geht um den 10 Jahre alten Jungen, dessen Name nicht erwähnt wird. Er ist ein unbegleiteter, minderjähriger in einem Flüchtlingslager. Man erfährt nicht woher er kommt oder woher seine Freund:innen kommen. Der/Die Leser:in weiß nur, dass es Krieg gab als er und seine jetzigen Freund:innen flüchteten.

I, so nennen ihn die anderen, erzählt die Geschichte aus seinen Augen. Sie beginnt im Flüchtlingslager. Er lebt mit vielen Menschen im Lager. Alle dort werden nur mit dem ersten Buchstaben aus ihrem Namen angesprochen, da die Wachmänner des Lagers sagen: „Wer keine Papiere hat, existiert auch nicht“. Deswegen schreibt er seine Geschichte auf.
Seine Freunde sind die Geschwister L und E und V. L passt immerzu auf ihren kleinen Bruder E auf und V legt sich immer mit den Wachmännern an. Die Wachmänner machen nur ihren Job und gehen nicht auf die Menschen im Lager ein. Alle Menschen erfahren Gewalt, haben oft zu wenig zu Essen und die Kinder haben keine Spielzeuge. Die einzigen Menschen, von denen sie Menschlichkeit erfahren, sind die Freiwilligen Ade, Charity und ihr Sohn C (Seymore).

Trotz der kleine Rückblicke in sein früheres Leben kann man leider wenig auf seine Geschichte schließen, deshalb weiß man weder woher er kam noch wie er im Flüchtlingslager gelandet ist.

I erzählt nüchtern von der trüben Wahrheit im Flüchtlingslager. Trotzdem berichtet er seine Geschichte auch etwas fröhlich und aus kindlicher Sicht heraus. Er findet immer einen Grund, um sich und seine Freunde aufzuheitern, versucht für alle Essen zu suchen, erfindet Spiele und erzählt von dem Zusammenhalt in seiner Freundesgruppe. Durch das offene Ende des Buches bleibt jedoch ungeklärt, was mit ihm und seinen Verbündeten passiert.

Die Ich–Perspektive des Protagonisten lässt den/die Leser:in das Geschehen sehr nah miterleben. Dadurch bringt der Autor Steve Tasane den/die Leser:in dazu, sich durch Is Geschichte mit dem Thema ‘Flucht’ und ‘Geflüchtete’ auseinander zu setzen.

Eine spannende und zugleich unvorstellbar aktuelle Geschichte!

 

Buchtipp: Francisca Winkler, Lesebegeisterte und jugendstil-Praktikantin

 

Verlag: Fischer 2019
Foto: © Fischer Verlag

bookbike-Saison startet bald!

Unseren bookbikes kribbeln schon die Räder, denn Anfang Juli geht es endlich wieder ins Grüne!

In Krefeld, Köln, Bielefeld und Dortmund werden die bookbikes Orte anfahren, an denen sich Kinder tummeln (mit ausreichend Abstand versteht sich!).

Die Bikes sind wie üblich vollgepackt mit vielen aktuellen und wunderbaren Büchern und passendem literaturpädagogischen Material.
Da wir uns in dieser Saison leider nicht alle gemütlich auf einen Teppich kuscheln können, um gemeinsam ein Buch zu lesen, haben die bookbikes in diesem Jahr zusätzliches Corona-Material dabei: Durch Teppiche gekennzeichnet gibt es unterschiedliche ‘Stationen’, an denen die Kinder selbstständig Bücher lesen und dazu kleine Aktionen machen können.

Begleitet werden die Kids natürlich weiterhin von unseren erfahrenen LiteraturpädagogInnen – dieses Jahr einfach mit ein bisschen mehr Abstand, aber nicht mit weniger Spaß!

Roadtrip mit Lasergirl und Beyoncé – Tjibbe Veldkamp

Ein dünnes Buch, das von außen so spannend aussieht, wie es innen auch ist. Und es ist nicht nur spannend, sondern auch so geschrieben, dass die Lesenden mehr als ein „Kopfkino“ erleben – sie stellen sich Fragen zu den Charakteren, sie recherchieren vielleicht, wie das zum Beispiel mit der Schule im Kongo ist…. Sie versuchen die Vermutungen und Befürchtungen, auch die Hoffnungen des Protagonisten Ate aus den Niederlanden nachzuvollziehen, der von sich selbst sagt: „Er war doch dieser Junge, der sich nur von zu Hause zur Schule und von der Schule zurück nach Hause bewegte.“ (S.14)

Ate, 13 Jahre alt, ist also ein Held wider Willen: Er erhält eine SMS seines Freundes Baptiste, den er im Internet kennen gelernt hat. Mit ihm schreibt er sich seit einem halben Jahr regelmäßig und hilft ihm ab und zu mit Geld, denn Baptiste ist ohne Papiere in Belgien. Warum? Das weiß Ate nicht und das hat er auch nie gefragt. Für ihn ist diese Schreib-Freundschaft wichtig, denn andere Freunde hat er nicht. Als Baptiste nun schreibt, dass er sein Handy verkaufen muss, um an Geld zu kommen, kommt Ate auf die Idee, ihm sein „altes Samsung“ zu bringen. Den nächsten Termin, an dem seine Mutter nicht zu Hause ist, nutzt er, setzt sich in den Zug und fährt nach Brüssel. Von da an ist er zwei aufregende Tage zu Fuß, mit einem Motorroller, im Zug und schließlich mit dem Auto unterwegs und lernt ein paar freundliche und ein paar gefährliche Menschen kennen. Mehr zu verraten wäre schade – diesen Roadtrip durch gefährliche Gefilde und mit vielen „Abzweigungen“ verkehrstechnischer und emotionaler Art muss man einfach selbst lesen.

 

Buchtipp: Ulrike Erb-May, Lese- und Literaturpädagogin (BVL)

 

Verlag: Carlsen 2020
Foto: © Carlsen

Jetzt anmelden für unsere Kulturbetreuung in den Sommerferien!

In den Sommerferien geht es rund in unserer LiteraturWerkstatt in Dortmund:

Sechs Wochen können Kinder in insgesamt 12 Workshops fantastische Geschichten genießen, die Umgebung entdecken und viele Abenteuer erleben.

Bücher, Werkzeug, Instrumente, Pinsel, iPads – wir haben viel spannendes Material dabei, um Wörter und Geschichten lebendig zu machen!

Die Workshops richten sich an Kinder im Alter zwischen sechs und neun Jahren und sind kostenfrei.

Die Übersicht der einzelnen Workshops mit Zeiten und Inhalten sind auf der Seite der Kulturbetreuung zu finden. Dort gibt es auch das Anmeldeformular zum Downloaden.

 

Wir freuen uns schon!

Elektrische Fische – Susan Kreller

Auch in ihrem neuen Buch „Elektrische Fische“ hat Susan Kreller eine mitreißende Geschichte geschrieben, in der berührende Figuren einen überzeugenden Plot in einer Sprache erzählen, die Türen im Kopf öffnet. Absatz für Absatz.

Emma, „halb traurig und halb gar nichts“, zieht mit ihrer Mutter und ihren mehrsprachigen Geschwistern von Dublin nach Mecklenburg-Vorpommern an die Ostsee, der Heimat der Mutter. Dort kann sie „sehen, dass alles verschwunden ist!“ Heimat, Meer, Freunde. Die Ostsee ist kein Ersatz. Und sogar die Zweitsprache Deutsch, von der Mutter gelernt fühlt sich verzweifelnd fremd an. „Deutsch ist immer noch ein paar Meere von mir entfernt!“, und sowieso ist alles „going arseways“.

Emma will so schnell wie möglich zurück.

Es war mir ein großes Vergnügen, diese spannende Geschichte des Ringens um eine Verbindung zwischen neuem und altem Leben zu lesen, in der die Sprache ein wichtiger Protagonist ist. Emmas Sprachen werden im wahrsten Sinne des Worts poetisch „geschichtet“ und ziehen einen auf diese Weise ins Buch hinein, mit allen anderen ge-wichtigen Themen der Jugend: Geschichte, Identität, Heimat, Rebellion. Und Liebe, zu Levin, der „dünn ist wie Dünengras“, und der ihr helfen will, nach Dublin zurückzukehren.

 

Buchtipp: Andrea Karimé, Kinderbuchautorin

Verlag: Carlsen Verlag 2019
Foto: © Carlsen Verlag

Julian ist eine Meerjungfrau – Jessica Love

In dem Buch „Julian ist eine Meerjungfrau“ steckt eine bunte und vielfältige Lebensphilosophie, sowie auch eine farbenprächtige Illustration (Gouache auf braunem Papier) mit viel Power und Phantasie.

Julian liebt Meerjungfrauen und wäre am liebsten selbst eine. Diese Geschichte eröffnet Möglichkeiten in der Geschlechterfindung, in der Akzeptanz des Andersseins, bis in die völlig freie Phantasie der Meerjungfrauenwelt.

Ein Grenzenloses Leseerlebnis mit einer liebevollen Figurenzeichnung und einer durch und durch ansteckenden Offenheit dem pulsierenden Leben gegenüber.

 

Buchtipp: Pina Weitkamp, Lese- und Literaturpädagogin (BVL)

 

Verlag: Knesebeck Verlag 2020
Foto: © Knesebeck Verlag