Kleine Bücher, große Geschichten – kreativ Sprache entdecken
Mit selbst gestalteten Mini-Büchern Sprache entdecken, kreativ werden und die eigene Lebenswelt neu erkunden:In unserem Projekt mit Kindern und Jugendlichen aus zwei Unterkünften für geflüchtete Menschen standen Sprache, Kreativität und gemeinsames Gestalten im Mittelpunkt.
Wie lässt sich ein Wort festhalten, wenn Lesen und Schreiben noch eine Herausforderung sind? Und wie kann ein kleines Buch entstehen, das die eigenen Ideen und Erfahrungen sichtbar macht? Diesen Fragen gingen die Kinder und Jugendlichen im Projekt auf spielerische und kreative Weise nach.
Mit den eigenen Händen Geschichten gestalten
Aus Papier, Farben, Stiften, Nadel und Faden entstanden individuelle kleine Bildlexika. Die Teilnehmenden falteten, klebten, tackerten und banden ihre Hefte selbst. Anschließend gestalteten sie die Seiten mit Farben, Zeichnungen und Wörtern. Dabei konnten sie unterschiedliche Buchbindetechniken ausprobieren und ihrer Fantasie freien Lauf lassen.
Die sprachlichen Voraussetzungen der Kinder und Jugendlichen waren sehr unterschiedlich. Während einige bereits sicher mit Wörtern arbeiten konnten, standen bei anderen zunächst Zahlen, einzelne Buchstaben oder der eigene Name im Vordergrund. Das Projekt knüpfte an diese unterschiedlichen Fähigkeiten an und ermöglichte allen, auf ihrem individuellen Niveau mitzumachen. Wo mehrsprachige Mitarbeitende des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) unterstützten, konnten auch die Erstsprachen der Kinder einbezogen werden.
Ein weiterer Bestandteil des Projekts war die gemeinsame Arbeit mit dem Buch „Schnitzel, der Fuchs“, das sich als wertvoller Impuls für die kreative Beschäftigung mit Sprache erwies.
Die eigene Umgebung mit neuen Augen sehen
Auch die unmittelbare Lebenswelt wurde zum Lern- und Entdeckungsraum: Beim Erkunden der Umgebung beschäftigten sich die Kinder und Jugendlichen mit Schildern, Hinweisen und Zetteln. Sie richteten ihre Aufmerksamkeit auf Schrift im Alltag und entdeckten Besonderheiten an Orten, die ihnen vertraut waren.
So verband das Projekt sprachliche Impulse mit kreativem Gestalten und dem bewussten Wahrnehmen der eigenen Umgebung.
Stolz auf das eigene Werk
Besonders schön war zu erleben, mit wie viel Freude und Stolz die Kinder und Jugendlichen ihre fertigen Mini-Bücher präsentierten. Sie hatten nicht nur neue Gestaltungstechniken kennengelernt, sondern auch eigene Ideen umgesetzt und etwas ganz Persönliches geschaffen.
Dass das Angebot gut angenommen wurde, zeigte sich auch in einer immer wiederkehrenden Frage: „Morgen wieder?“Viele Teilnehmende hätten gerne noch mehr Zeit miteinander verbracht und weitere kreative Erfahrungen gesammelt. Die gemeinsamen Stunden boten ihnen Abwechslung, Raum für eigene Ideen und positive Erlebnisse im Alltag.
Auch die Rückmeldungen von Eltern und Mitarbeitenden des DRK waren durchweg positiv. Das Angebot wurde als Bereicherung und Entlastung wahrgenommen.
Kreative Angebote, die im Alltag etwas bewirken
Das Projekt hat gezeigt, wie wichtig niedrigschwellige kreative Angebote für Kinder und Jugendliche sind, die aufgrund von Flucht und schwierigen Lebensumständen ihre vertraute Umgebung verlassen mussten. Es ermöglichte ihnen, sich spielerisch mit Sprache auseinanderzusetzen, eigene Fähigkeiten zu entdecken und mit einem selbst gestalteten Ergebnis nach Hause zu gehen.
Denn manchmal steckt in einem kleinen selbst gemachten Buch viel mehr als nur Papier und Farbe: Es erzählt von Kreativität, Selbstvertrauen und der Freude, gemeinsam etwas zu schaffen.
Wir freuen uns, mit solchen Angeboten Räume für Begegnung, Ausdruck und positive Erfahrungen schaffen zu können.
Das Projekt fand in Kooperation mit dem DRK Bonn e. V., Geflüchtetenhilfe, statt. Es leistete einen wichtigen Beitrag dazu, Kindern und Jugendlichen in Unterkünften für geflüchtete Menschen kreative Freiräume, positive Erlebnisse und Möglichkeiten zum sprachlichen Ausdruck zu eröffnen.
Projektleitung und Referentin: Sidika Kordes
Projektpartnerinnen: DRK Bonn e. V., Geflüchtetenhilfe
Veranstaltungsort: Bonn
Projektzeitraum: April bis September 2026
Umfang: 19 Projektstunden
Teilnehmerinnen: 48 Mädchen und junge Frauen im Alter von 6 bis 21 Jahren
Das Projekt wurde gefördert vom Land NRW:

