Roadtrip mit Lasergirl und Beyoncé – Tjibbe Veldkamp

Ein dünnes Buch, das von außen so spannend aussieht, wie es innen auch ist. Und es ist nicht nur spannend, sondern auch so geschrieben, dass die Lesenden mehr als ein „Kopfkino“ erleben – sie stellen sich Fragen zu den Charakteren, sie recherchieren vielleicht, wie das zum Beispiel mit der Schule im Kongo ist…. Sie versuchen die Vermutungen und Befürchtungen, auch die Hoffnungen des Protagonisten Ate aus den Niederlanden nachzuvollziehen, der von sich selbst sagt: „Er war doch dieser Junge, der sich nur von zu Hause zur Schule und von der Schule zurück nach Hause bewegte.“ (S.14)

Ate, 13 Jahre alt, ist also ein Held wider Willen: Er erhält eine SMS seines Freundes Baptiste, den er im Internet kennen gelernt hat. Mit ihm schreibt er sich seit einem halben Jahr regelmäßig und hilft ihm ab und zu mit Geld, denn Baptiste ist ohne Papiere in Belgien. Warum? Das weiß Ate nicht und das hat er auch nie gefragt. Für ihn ist diese Schreib-Freundschaft wichtig, denn andere Freunde hat er nicht. Als Baptiste nun schreibt, dass er sein Handy verkaufen muss, um an Geld zu kommen, kommt Ate auf die Idee, ihm sein „altes Samsung“ zu bringen. Den nächsten Termin, an dem seine Mutter nicht zu Hause ist, nutzt er, setzt sich in den Zug und fährt nach Brüssel. Von da an ist er zwei aufregende Tage zu Fuß, mit einem Motorroller, im Zug und schließlich mit dem Auto unterwegs und lernt ein paar freundliche und ein paar gefährliche Menschen kennen. Mehr zu verraten wäre schade – diesen Roadtrip durch gefährliche Gefilde und mit vielen „Abzweigungen“ verkehrstechnischer und emotionaler Art muss man einfach selbst lesen.

 

Buchtipp: Ulrike Erb-May, Lese- und Literaturpädagogin (BVL)

 

Verlag: Carlsen 2020
Foto: © Carlsen