Roadtrip mit Lasergirl und Beyoncé – Tjibbe Veldkamp

Ein dünnes Buch, das von außen so spannend aussieht, wie es innen auch ist. Und es ist nicht nur spannend, sondern auch so geschrieben, dass die Lesenden mehr als ein „Kopfkino“ erleben – sie stellen sich Fragen zu den Charakteren, sie recherchieren vielleicht, wie das zum Beispiel mit der Schule im Kongo ist…. Sie versuchen die Vermutungen und Befürchtungen, auch die Hoffnungen des Protagonisten Ate aus den Niederlanden nachzuvollziehen, der von sich selbst sagt: „Er war doch dieser Junge, der sich nur von zu Hause zur Schule und von der Schule zurück nach Hause bewegte.“ (S.14)

Ate, 13 Jahre alt, ist also ein Held wider Willen: Er erhält eine SMS seines Freundes Baptiste, den er im Internet kennen gelernt hat. Mit ihm schreibt er sich seit einem halben Jahr regelmäßig und hilft ihm ab und zu mit Geld, denn Baptiste ist ohne Papiere in Belgien. Warum? Das weiß Ate nicht und das hat er auch nie gefragt. Für ihn ist diese Schreib-Freundschaft wichtig, denn andere Freunde hat er nicht. Als Baptiste nun schreibt, dass er sein Handy verkaufen muss, um an Geld zu kommen, kommt Ate auf die Idee, ihm sein „altes Samsung“ zu bringen. Den nächsten Termin, an dem seine Mutter nicht zu Hause ist, nutzt er, setzt sich in den Zug und fährt nach Brüssel. Von da an ist er zwei aufregende Tage zu Fuß, mit einem Motorroller, im Zug und schließlich mit dem Auto unterwegs und lernt ein paar freundliche und ein paar gefährliche Menschen kennen. Mehr zu verraten wäre schade – diesen Roadtrip durch gefährliche Gefilde und mit vielen „Abzweigungen“ verkehrstechnischer und emotionaler Art muss man einfach selbst lesen.

 

Buchtipp: Ulrike Erb-May, Lese- und Literaturpädagogin (BVL)

 

Verlag: Carlsen 2020
Foto: © Carlsen

Elektrische Fische – Susan Kreller

Auch in ihrem neuen Buch „Elektrische Fische“ hat Susan Kreller eine mitreißende Geschichte geschrieben, in der berührende Figuren einen überzeugenden Plot in einer Sprache erzählen, die Türen im Kopf öffnet. Absatz für Absatz.

Emma, „halb traurig und halb gar nichts“, zieht mit ihrer Mutter und ihren mehrsprachigen Geschwistern von Dublin nach Mecklenburg-Vorpommern an die Ostsee, der Heimat der Mutter. Dort kann sie „sehen, dass alles verschwunden ist!“ Heimat, Meer, Freunde. Die Ostsee ist kein Ersatz. Und sogar die Zweitsprache Deutsch, von der Mutter gelernt fühlt sich verzweifelnd fremd an. „Deutsch ist immer noch ein paar Meere von mir entfernt!“, und sowieso ist alles „going arseways“.

Emma will so schnell wie möglich zurück.

Es war mir ein großes Vergnügen, diese spannende Geschichte des Ringens um eine Verbindung zwischen neuem und altem Leben zu lesen, in der die Sprache ein wichtiger Protagonist ist. Emmas Sprachen werden im wahrsten Sinne des Worts poetisch „geschichtet“ und ziehen einen auf diese Weise ins Buch hinein, mit allen anderen ge-wichtigen Themen der Jugend: Geschichte, Identität, Heimat, Rebellion. Und Liebe, zu Levin, der „dünn ist wie Dünengras“, und der ihr helfen will, nach Dublin zurückzukehren.

 

Buchtipp: Andrea Karimé, Kinderbuchautorin

Verlag: Carlsen Verlag 2019
Foto: © Carlsen Verlag

Hyde – Antje Wagner

Schon nach der ersten Seite kann man das Buch nicht mehr weglegen und lässt sich umschlingen von der einfühlsamen und fein gestrickten Geschichte über Heimat, Verluste und eine beschwerliche Reise.

Die 18-jährige Ich-Erzählerin Katrina ist auf der Walz. Dabei trägt sie nicht nur ihren wenigen Besitz mit sich, sondern auch eine Menge Geheimnisse. Leise und vorsichtig lernt man die junge Frau und ihre dramatische Geschichte kennen und erfährt, was sie erlebt hat und was sie antreibt. Man begleitet Katrina an einen wundersamen und auch unheimlichen Ort, mit dem sie eine ganz besondere Verbindung eingeht. Seltsame Ereignisse prägen die Tage in dem alten Haus, die man als Leser:in durch die starke Sprache der Autorin hautnah miterlebt.

Nach und nach gibt Katrina Einblicke in ihre Vergangenheit, die sie in „Hyde“ verbrachte – einem abgeschiedenen und verwunschenen Haus im Wald, in dem sie mit ihrem Vater und ihrer Schwester lebte. Als Leser:in bekommt man interessante Einblicke in eine sehr naturverbundene Lebensform, die Katrina zu einem komplexen Charakter ausformt.

Die Bruchstücke aus der Vergangenheit werden erst langsam zu einem Ganzen zusammengesetzt und dabei von der Autorin geschickt mit der Gegenwart verwoben.

Stimmungsvoll baut die Autorin eine Spannung auf, die bis zum Schluss anhält und durch eine überraschende Wendung gekrönt wird. Der Roman zeichnet das junge Leben der Protagonistin unaufdringlich und trotzdem packend und ergreifend.

Wer Spannung gepaart mit Fantasyelementen mag, sollte dieses Buch unbedingt lesen!

 

 

Buchtipp: Linda Schocke, angehende Literaturpädagogin

 

Verlag: Beltz&Gelberg Verlag 2018
Foto: © Beltz&Gelberg Verlag

Eins – Sarah Crossan

Vor Kurzem habe ich die Geschichte der siamesischen Zwillinge Tippi und
Grace gelesen. Alles in Allem hat mir der Roman sehr gut gefallen, weil man
viel über den (gar nicht so anderen) Alltag siamesischer Zwillinge erfährt.
Außerdem erinnert die inhaltliche Gestaltung an eine Art Gedichtband,
wodurch die Geschichte sehr schnell und einfach zu lesen ist. Dennoch sind
die Sätze mit so viel Inhalt verpackt, dass man teilweise zwei Mal darüber
nachdenkt, was Sarah Crossan geschrieben hat.

 

Buchtipp: Charlotte, Schülerin

Verlag: mixtvision, 2016
Foto: (c) mixtvision

Glück ist eine Gleichung mit 7 – Holly Goldberg Sloan

In dem Buch von Holly Goldberg Sloan geht es um die Geschichte eines 12-jährigen Mädchens namens Willow Chance, das beide Adoptiveltern bei einem tragischen Autounfall verliert. Durch ihre einzigartige Art zu denken meistert sie die Situation und lernt ein anderes, neues, aber trotzdem glückliches Leben zu führen.

Ich mag das Buch besonders, da Willow Mut findet, kämpft und somit auch anderen hilft und Glück bringt. Dieses Buch ist ein wenig traurig, aber es hat mich auch sehr glücklich gemacht. Ich empfehle es jedem, der nach einem wirklich guten Buch sucht.

 

Buchtipp: Julie, Schülerin

Verlag: Hanser Literaturverlage, 2015
Foto: (c) Hanser Literaturverlage

Der Junge auf dem Berg – John Boyne

Packend und ergreifend ist der Roman von John Boyne, der in diesem Jahr für viel Gesprächsstoff sorgte. Man lernt den Protagonisten Pierrot als kleinen Jungen kennen, der in Frankreich groß wird. Es ist die Zeit zwischen den großen Kriegen, die Spuren des ersten sind noch nicht verblasst und doch kündigen sich schon die Trümmer des zweiten Krieges an. All das schwingt in den Sätzen Boynes mit, die das schicksalhafte Leben des Jungen ohne Beschönigung erzählen. Als Leser:in ahnt man am Anfang nichts von der unmittelbaren Verflechtung des Lebens von Pierrot mit dem zweiten Weltkrieg. Man fiebert mit, man hofft, man ringt und wartet auf die Erlösung, die man sich für den Jungen (und sich selbst) wünscht. Auf den letzten Seiten schafft der Autor genau das, ohne dabei sentimental oder dramatisch zu werden.

Ein wunderbares Buch, das nicht vor einer (teils brutal) ehrlichen Darstellung der Realität des Protagonisten zurückschreckt. Genau das macht es zu einem spannenden und sehr lesenswerten Roman!

  • Ausgezeichnet mit dem Buxtehuder Bullen 2018
  • Nominiert für den deutschen Jugendliteraturpreis 2018 (Jugendjury)

 

Buchtipp: Linda Schocke, angehende Literaturpädagogin

Verlag: Fischerverlag, 2015
Foto: (c) Fischerverlag