Immernacht – Ross MacKenzie

Fantasie vom Feinsten! Hexen, Magie, fantastische Wesen, gute und böse Kräfte im ewigen Ringen miteinander…

Es steht schlecht um das Silberreich. Der grausame und gierige König hat die machthungrige und abgrundtiefe böse Hexe Mrs. Hesters als Beraterin an seiner Seite. Nach Jahrhunderten ist sie dieser Rolle an der Seite sich ablösender Könige und Königinnen überdrüssig geworden. Sie hat ein Heer an seelenlosen weißen Zauberern herangezogen, das in aller Stille und in totaler Unterdrückung, Zaubertränke für sie herstellt. Um die Macht des Königs an sich zu reißen, will Mrs. Hesters die Immernacht entfesseln, ein uraltes Wesen, das die ewige Dunkelheit über das Silberreich bringen soll. Doch um die Immernacht auch wieder bändigen zu können, benötigt Mrs. Hesters ein kleines Holzkästchen, indem sich der Untergangszauber befindet. Seit langem schon sucht Schattenjack, der Mann ohne Schatten, erfolglos für sie danach. Doch Mrs. Hesters kann ihre gierige Ungeduld nicht mehr bändigen und lässt die Immernacht ohne Gegenzauber und unbeachtet der Einwände von Schattenjack frei.

In dem Armenviertel des Silberreiches lebt Lara Fox, dreizehn Jahre alt und Vollwaise, als Tosherin. Sie sucht in den Abwasserkanälen unterhalb der Stadt nach Verwertbaren. was sie verkaufen kann. Dabei stößt sie eines Tages auf ein Holzkästchen, indem sich ein wunderbar filigraner Vogel aus Metall befindet. Der Vogel erwacht und damit beginnt das Amulett, welches sie seit dem Tod ihrer Mutter um den Hals trägt, auf wundersame Art zu vibrieren, während sich draußen der Himmel verdunkelt…

Was dann folgt ist eine wirklich spannende und absolut fantastische Jagd durch magische Welten und dem Ringen um die Bannung des Bösen. Ross MacKenzie entwickelt eine ganz eigene magische Welt. Zauberstäbe funktionieren nicht mit Sprüchen, sondern müssen mit speziellen Zaubertränken wie Pistolen geladen und scharf gemacht werden. Die Magie des Bösen ist grausam und wortwörtlich seelenlos. Die Schergen der Immernacht, die Bemalten, zeichnen ihre Opfer auf grausame Weise. Die gute Magie hingegen ist pures Licht, Natur und seelenvoll.

Ross MacKenzie entführt uns in fremde Fantasiewelten, die Stimmung ist düster und geheimnisvoll, geprägt vom viktorianischen Schauerroman sowie Elementen des Steam-Punks. Ab der ersten Seite packt die Geschichte den Leser. Besonders gut gelungen ist der Wechsel der Perspektiven. Die Geschichte springt zwischen den verschiedenen Protagonist:innen und erzählt in kurzen Kapiteln aus deren Sicht die Geschichte weiter, was besonders zum Ende des Buches zu einer geradezu atemlosen (An-) Spannung beiträgt.

 

Buchtipp: Karen Rohen-Parduhn, Kunsthistorikerin, Germanistin, Lese-und Literaturpädagogin (BVL)

 

Verlag: Gulliver 2020
Foto: © Beltz & Geldberg